Schloss und Familie Batthyány

 

 

 

Tafel3.jpg

 Schloss Batthyány vor 1938 (Quelle: Gemeindearchiv Rechnitz)


Die ungarische Adelsfamilie Batthyány war von 1527 bis 1871 Inhaberin der Herrschaft Rechnitz. Sie hat die Entwicklung der Marktgemeinde durch ihre religiöse Haltung, ihre Siedlungs- und Wirtschaftspolitik entscheidend geprägt. Mitte des 17. Jahrhunderts ließ Adam Batthyány anstelle des alten Kastells ein Schloss mit 200 Zimmern errichten.
Für die Herrschaft Rechnitz werden in einem Baumkircher-Urbar aus der Zeit vor 1527 zwei jüdische Familien (Spiegel und Grünwald) genannt. Unter dem Schutz der Herrschaft der Batthyánys wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die jüdische Gemeinde von Rechnitz gegründet.
Schutzbriefe, die immer wieder erneuert wurden, regelten auf Vertragsbasis bis ins kleinste Detail die Rechte und Pflichten der jüdischen Untertanen, die dafür hohe Schutzgebühren bezahlen mussten. Die Revolution von 1848 beendete die „Schutzjudenschaft“. Das „Israelitengesetz“ von 1867 sprach der jüdischen Bevölkerung die politische und bürgerliche Gleichstellung zu.
1871 verkauften die Batthyánys ihren Besitz an den Rechtsanwalt Julius von Szájbely. 1906 erwarb der Großindustrielle Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza das Schloss. Letzte „Schlossherrin“ war seine Tochter Margit, die den Grafen Ivan Batthyány heiratete.
Ab Herbst 1944 diente das Schloss als Sitz der regionalen Bauabschnittsleitung der Organisation Todt, die für den Bau des Südostwalls verantwortlich war. Jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren in den Kellern und Ställen des Schlosses untergebracht. Im Zuge der Kampfhandlungen um die Befreiung des Ortes geriet das Gebäude in der Nacht vom 29. zum 30. März 1945 in Brand. In der Nachkriegszeit wurde das Schloss abgetragen. Heute zeugen nur noch einige Mauern von dessen Existenz.